LS4 Überholung

Aufgrund der Tatsache, dass unsere LS4 nun genau 30 Jahre alt und in dementsprechender Verfassung war, wurde sie modernisiert und bekam neuen Lack.

Am Anfang standen nur Schönheitsreparaturen an Leitwerken und Rumpf im Raum, aber aufgrund eines zusehends erahnend größer werdenden Flickenteppichs, entschied man recht schnell, den Flieger komplett zu sanieren. So konnte dieser auch nach langer Betriebszeit mal wieder gründlich gecheckt werden. Da allerdings ein ordentliches und hochwertiges Finish für einen kleinen Verein (zum Zeitpunkt des Projektbeginns waren wir 10 aktive studentische Mitglieder) finanziell nicht zu stemmen war, entschlossen wir uns, diese Maßnahme zum großen Teil selbst durchzuführen.

Damit uns das gesamte Projekt nicht über den Kopf wuchs, ging der Auftrag für  die Neulackierung der Flügel zu unseren Fliegerkameraden, der FVA-Aachen, so dass wir uns um diese Arbeiten keinen Kopf mehr machen mussten. Ein Großteil unserer Vereinsmitglieder in der FAG, kann neben einen Werkstattleiter-Lehrgang der vom DAeC angeboten wird, auch auf eine abgeschlossene Berufsausbildung zurückblicken. So hatten wir u.a. mit einem Leichtflugzeugbauer, einem Fluggeräte-,  einem Industriemechaniker, ein bunt gemischtes Team mit einer starken Kompetenz für die anstehenden Aufgaben im Hintergrund. Neu dazugekommene und durch die Arbeit an dem Flieger „infizierte“ Mitglieder wurden durch das qualifizierte Personal angeleitet und hatten so auch einen dementsprechenden Lernerfolg.

Der Rumpf: Hierzu gehörte natürlich, dass wir den alten Lack bis „an“ die Struktur runter schleifen mussten. Dieses Schleifen geschah anfangs noch in mühevoller Handarbeit, mit für diesen Zweck speziell von uns im Aufbau unterschiedlichen angefertigten „Straklatten“. Erst gegen Ende dieser Arbeit stand uns ein hochwertiger und in großen Bereichen arbeitserleichtender Druckluftrutscher zur Verfügung. Nach ca.2 Wochen konnten wir das Abschleifen zufriedenstellend abschließen. Die hierdurch sichtbar gewordene Schäden wurden dokumentiert und die notwendigen Reparaturen, mit dem uns am Anfang zur Seite gestelltem Prüfer, Florian Meyer, abgehandelt.

Da unserem Verein mit Dominik, ein charmanter und erfolgreicher Sponsoringbeauftragter zur Verfügung steht, kamen wir ohne weitere Probleme an den originalen Lack und an weitere Verbrauchsmaterialien. Die Entscheidung fiel entgegen dem aktuellen Trend von PU Lacken, auf den T-35, da man mit diesem ausreichend Erfahrung hatte, um hiermit ein dementsprechendes Ergebnis zu erzielen. Das Lackieren unseres Rumpfes geschah in der Mehrzweckkabine der FVA-Aachen, da in unserer Werkstatt diese Möglichkeit nicht gegeben war. Auch bestand die Gefahr, dass trotz ausreichender Lüftung und Absaugung lösemittelhaltige Dämpfe durch unsere Räume krochen.

Um unser angestrebtes Ziel für ein wirklich hochwertiges Finish zu erreichen wurde nach jedem Schleifgang ein Kontrolllack aufgebracht, welcher aus einem verdünnten Nitro-Lack bestand, um die Schleifriefen sichtbar zu machen. Diese wurden mit der nächst höheren Körnung weggeschliffen. Geschliffen wurde in 8 Durchgängen. Im Zuge der Lackerneuerung wurde auch eine Farbwarnmarkierung im vorderen Cockpitbereich angebracht. Umgesetzt wurde diese durch die uns bekannte Designerin, Madelaine Bender.

Im nächsten Zuge wurden Kennzeichen und Logo unseres Vereins lackiert. Am Ende dieses wirklich langwierigen Prozesses kam für uns der Tag der Wahrheit und standen so unserer monatelangen hingebungsvollen Arbeit, nach stundenlangem Schwabbeln und Polieren zum ersten Mal gegenüber. Wir waren mehr als zufrieden!

Haube: Auch die Haube zeigte durch den Vereinsbetrieb deutliche Verschleißerscheinungen, und so stand auch hier eine komplette Aufbereitung an.

Cockpit: Ein weiterer Schwerpunkt war die Gestaltung des Cockpits. Hier haben wir uns von der LS typischen Innenraumlackierung, welche auf uns sehr unruhig und alt gewirkt hat, verabschiedet. Um eine spätere optisch ansprechende Oberfläche im Cockpit zu erhalten, wurde dieses gefüllert und wieder eingeschliffen. Der Pilz, wie auch der Haubenrahmenbereich wurde mit hochwertigem Nextel® Lack lackiert. Nach kritischen und abratenden Beiträgen im Internet mit diesen Lacken selber zu lackieren, fragten wir bei einem Lackierer für diese Arbeit an. Als uns dieser jedoch seinen Preis nannte, konnten wir das auf einmal auch. Eine entsprechende Vorbehandlung der entsprechenden Bereiche wurde durchgeführt und der Lack ohne weitere Probleme und optische Mängel aufgetragen. Der restliche Bereich erhielt einen seidenmatten Grauton.

Avionik: Im Zuge der weiteren Tätigkeiten erhielt in das Flugzeug neue Avionik Einzug. Hier kam Flo, ein elektrotechnischer-Assistent, ins Spiel. Er wurde dazu verdonnert das Flugzeug mit neuer Avionik sicher und überlegt einzurüsten. Diese Überlegung endete in einem 12000mAh Akku, mit dem man bei dem aktuellen Stromverbrauch, ohne weitere Probleme, 3,5 Tage am Stück durchfliegen könnte.

Da unsere LS4-a mit einem nach oben klappenden Pilz ausgestattet ist,  musste hier auch wieder ein neuer Pilz bezogen werden, um die neuen Komponenten unterzubringen. Eingebaut wurde ein neues und der Zeit entsprechendes Navigationsgerät welches den defekten 20Jahre alten Vorgänger ersetzte, sowie ein neues Funkgerät, um den aktuellen Bestimmungen gerecht werden.

Interieur: Um ein für uns behagliches Wohnzimmerfeeling im Rumpf zu erzeugen, entstand die Idee den Flieger mit einem Interieur aus Kunstleder auszustatten.  Beim Einkauf dieses  sprach der Blick der Verkäuferin Bände, als zwei Studenten vor ihr standen, ihre Visionen erzählten, allerdings vom Nähen überhaupt keine Ahnung hatten. Zurück in der Werkstatt und nach den ersten erfolglosen Nähversuchen verstanden wir diesen Blick. – Hier stellte sich dann zum Glück bei unserem Pröffi heraus, dass seine Oma früher Näherin war und dieser genau diese Gene anscheinend von ihr vererbt bekommen hat. So ging er mit einem gefülltem Glas Rotwein, welches neben der ratternden Nähmaschine stand, fröhlich und zufrieden bis spät in die Nacht dem Nähhandwerk nach.

Da die Näharbeiten am Abend vor der Abnahme durch unseren neuen Prüfer Herrn Haßlach (H.D.) stattfanden, und man unbedingt am nächsten Tag, nach all der Arbeit in die Luft wollte, beschränkten wir uns zunächst nur auf den Knüppelsack und das Sitzpolster.

Abnahme und Erstflug: Die Abnahme fand noch in unseren Räumlichkeiten in Aachen statt, da wir so auf evtl. auftretenden Überraschungen besser reagieren konnten als auf der NATO-Airbase. Nachdem die Papierlage mit H.D. abgearbeitet und auch alles Weitere geklärt war, begaben wir uns endlich auf den Weg zu unserem Flugplatz nach Teveren. Schon das Aufrüsten unserer LS4 zog, nach ihrer insgesamt 3-jährigen Abstinenz an dem Flugplatz, neugierige Blicke auf sich.

Dann ging es an den F-Schlepp. Am späten Nachmittag, des 31.05.2014, erfolgte dann endlich der erfolgreiche zweite Erstflug, durch Jan, auf der„neuen“ LS4. Der Schlepp ging hinter der „GG“, dem C-Falken des LSV Geilenkirchen, auf 1600m direkt in die Thermik. Das am Anfang, nach all den durchgeführten Arbeiten und Reparaturen, etwas angespannte Nervenkostüm, löste sich bei dem Piloten nach ein paar Minuten und Höhenmetern in dem Flugzeug auf. Nachdem die „GG“ nach dem Ausklinken noch ein paar Minuten in sicherem Abstand nebenher flog, begann man das Flugzeug ausgiebig zu testen. Ein Flug von 44 Minuten mit etwas Thermik war das Ergebnis. Sie flog sich nach all der getanen Arbeit wie eine gewöhnliche LS4 –jedoch mit dem gewissen Etwas!

Nach der Landung zeigte sich, dass alle Beteiligten im Verein wirklich eine großartige Arbeit an unserer LS4 geleistet haben, welche nur im Team möglich war. Man hat bei der Arbeit viel dazugelernt und dazu noch eine Menge Spaß und Freude untereinander gehabt, sodass Arbeitszeiten bis  02:00 Uhr Nachts in der Werkstatt keine Seltenheit waren.

Projektleitung: J. Weber

Wir danken allen Sponsoren und Beteiligten, die uns indirekt wie auch direkt bei dem Projekt unterstützt haben!

Fotos/Text: FAG Aachen

 

 

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